1750 Jahre christliche Gemeinde

Zur Geschichte des Beringes der Abtei St. Eucharius - St. Matthias

Gewiss böte der Bering aus der Maulwurfsperspektive einen sehr aufschlußreichen Blick in die Geschichte des Ortes - man denke nur an die noch nicht durch Ausgrabungen erforschte Bereiche - doch scheint für einen ersten Überblick die Vogelperspektive geeigneter. Die Kirche mit ihrer mächtigen Baumasse und dem markanten Westbau bildet das Zentrum der gesamten Anlage. Sie beherbergt die Gräber der Bischöfe Eucharius und Valerius und des Apostels Matthias, die dem Ort den Namen geben. Immer wieder hat sich die äußere Gestalt gewandelt, unzählige Menschen hat der Ort kommen und gehen sehen, doch gibt es in allem Wandel einen roten Faden, der die Anfänge mit dem Heute verbindet: die kontinuierliche Existenz einer christlichen Gemeinde an diesem Ort.

Steinernes Monument und Versammlungsort dieser Gemeinde ist die Kirche. Sie bildet den Mittelpunkt dessen, was wir heute als den "Bering" bezeichnen: er umfaßt den Freihof vor der Kirche mit dem Gerichtshaus, nördlich davon das Pfarrhaus, das Pfarrzentrum und den Friedhof, südlich der Kirche das Konventsgebäude, auch Quadrum genannt, das Pfortengebäude mit dem Gästehaus und dem Klosterladen, das Park- und Gartengelände mit der weiteren Bebauung.

Von der wechselhaften Geschichte des Ortes und der Menschen, die ihn prägten soll hier die Rede sein.

Von den Anfängen bis ins 10. Jahrhundert

In vielen römischen Städten der Spätantike bildeten sich die ersten christlichen Zentren vor den Stadtmauern, an den Gräbern der Märtyrer oder der als Gründer verehrten Heiligen. Ein frühes Zeugnis für die Existenz eines solchen Ortes in Trier ist die überlieferte Bauinschrift des Bischofs Cyrillus aus der Mitte des 5. Jahrhunderts.

QUAM BENE CONCORDES DIUINA POTENTIA IUNGIT
MEMBRA SACERDOTUM, QUAE ORNAT, LOCUS ISTE DUORUM.
EUCHARIUM LOQUITUR VALERIUMQUE SIMUL.
SEDEM UICTURIS GAUDENS COMPONERE MEMBRIS,
FRATRIBUS HOC SANCTIS PONENS ALTARE, CYRILLUS
CORPORIS HOSPITIUM, SANCTUS METATOR, ADORNAT.

Sie berichtet uns von einer Altarweihe zu Ehren der Hll. Eucharius und Valerius, die als Begründer der Trierer Diözese verehrt werden, und von Bischof Cyrillus, der diese Weihe vornahm und sich später auch hier bestatten ließ. Reste der Chorschranken der Kirche aus dieser Zeit sind an den Bischofsgräbern und am Sakramentsaltar unserer Basilika zu sehen. Als Zeit des Lebens und Wirkens der Gründerbischöfe wird die zweite Hälfte des 3. Jahrhunderts angenommen. Einer später schriftlich gefaßten Legende zufolge haben sie bei ihrer Ankunft in Trier Kontakt zu einer Witwe Albana bekommen, in deren Haus sie dann lebten und sich die erste christliche Gemeinde versammelte. Ein Reliefsarkophag aus dem ersten Viertel des 3. Jahrhunderts, der in einer römischen Grabgruft auf dem Friedhof zu sehen ist, gilt als Grabstätte der Albana und ihres Mannes und ist ein weiteres Zeugnis für die frühe Zeit.

Krypta mit Gräbern von Eucharius und Valerius
Grabgruft mit Sarkophag der Albana

Diese "Albanagruft" ist Teil des großen Gräberfeldes, das sich seit dem 1. Jahrhundert außerhalb der antiken Stadtmauer entwickelte. Hier, an den Gräbern der Gründerbischöfe, siedelte sich - vielleicht schon im 4. Jahrhundert- eine Gemeinschaft von Mönchen oder Klerikern an, die fortan die Entwicklung des Ortes miterlebte und mitgestaltete. Vermutlich wurde schon in dieser frühen Zeit das Gelände direkt um die Kirche erworben. Aus dem achten Jahrhundert sind Grundbesitzstiftungen überliefert, die halfen, den Lebensunterhalt der Gemeinschaft zu sichern.

In dieser Zeit wird Eucharius als Patron der Kirche genannt. Erst im 12. Jahrhundert tritt ihm der Apostel Matthias an die Seite.

Hatte die Stadt Trier nach dem Abzug der Römer im 5. Jahrhundert bereits unter Eroberungen durch die Germanen zu leiden, kam es im Zuge des Normanneneinfalles im Jahr 882 wiederum zu starken Zerstörungen, von denen sich Stadt und Land nur langsam erholten

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