Mönchsfriedhof

Geschichtlicher Hintergrund


Die letzte große Umgestaltung unseres Mönchsfriedhofs erfolgte Anfang der 1970er Jahre im Zuge der Wiedererrichtung der Marienkapelle. An den Gräbern der nach dieser Umgestaltung verstorbenen Brüder wurden zunächst Grabplatten in die Mauern eingelassen, die jedoch in ihrer Materialität und Gestaltung nicht dauerhaft überzeugen konnten. Ab Ende der 1980er Jahre wurde daher eine eher provisorische Ausführung gewählt: Die zum Begräbnis errichteten schlichten Holzkreuze markierten die Gräber der seither verstorbenen Brüder. Auch dieses Provisorium war nicht zufriedenstellend, allerdings gestaltete sich die Suche nach Alternativen äußerst schwierig - und führte über nahezu 20 Jahre zu keinem Ergebnis. Nach etlichen verworfenen Testentwürfen fanden wir schließlich eher zufällig die Grundidee der jetzigen Friedhofsgestaltung: Bei unserem Konventsausflug im Oktober 2006 entdeckten wir in Drove, dem Heimatort unseres im März 2006 verstorbenen Bruders Elias Eßer, ein Denkmal an die Gefallenen der Weltkriege, das in Form eines Buches gestaltet ist. Inspiriert von diesem Monument entwickelten wir in einem gemeinsamen Diskussions- und Entscheidungsprozess die Grundidee für die Neugestaltung unseres Mönchsfriedhofs.


"Buch des Lebens" als Grundidee


Mit der Grundidee vom Buch, in dem die Namen unserer verstorbenen Brüder aufgeführt sind, verbinden wir das biblische Bild vom "Buch des Lebens" (vgl. u.a. Phil 4, 3; Offb 3, 5; Offb 20, 11-15). Die darin verzeichneten Brüder sind bereits in die Ewigkeit Gottes eingegangen, ihr Name ist dauerhaft eingeschrieben in dieses Lebensbuch. Und wir dürfen jetzt darauf vertrauen, dass dereinst auch unsere Namen in diesem Lebensbuch verzeichnet sein werden. So werden Namen und Lebensdaten der verstorbenen Brüder in je eine "Buchseite" aus Metall eingraviert. Die Metallplatten der zuletzt Verstorbenen verbleiben, auf einem "Steinkissen" ruhend, zunächst am jeweiligen Grab. Nach einer angemessenen Zeitspanne werden die Buchseiten vom Einzelgrab aufgenommen und in das Buch eingebunden, das auf einem Sandsteinsockel im Zentrum des Mönchsfriedhofs seinen Platz hat. Hierin drückt sich auch unser Gemeinschaftsverständnis aus: Als Brüder einer Gemeinschaft sind wir miteinander verbunden, auch über den Tod hinaus. Das Buch lädt zum Blättern und somit zum Totengedenken und fürbittenden Gebet ein. Mit jeder neu aufgeschlagenen Seite kann das Leben des Bruders vor den Augen des Lesers gegenwärtig werden. Als Ganzes eröffnet das Buch Einblicke in das Leben unserer Gemeinschaft über die Generationen hinweg.


Gesamtkonzept des Mönchsfriedhofs


Ausgehend von der Grundidee "Buch des Lebens" entwickelten wir das Gesamtkonzept für die Ausgestaltung unseres Friedhofs. Wichtig waren uns dabei sowohl inhaltliche als auch gestalterische und praktische Aspekte. So soll unser Mönchsfriedhof würdiger Ausdruck unseres Gedenkens an unsere verstorbenen Brüder und unseres Glaubens an das Ewige Leben sein. Mit seiner schlichten, klaren Gestaltung soll er ansprechend sein für alle Friedhofsbesucher und zugleich funktional hinsichtlich der kontinuierlichen Pflege.


Bei der Erstellung des Gesamtkonzepts konnten wir uns der Unterstützung fachkundiger Planer bedienen: Christoph Heckel vom Büro BGHplan in Trier gab mit seinem Erstentwurf hilfreiche Impulse für die gemeinschaftlichen Beratungen. Aufbauend auf diesen Vorgaben entwickelte Prof. Bernhard Weishaar aus Landshut unter Abstimmung mit dem Konvent das endgültige Gesamtkonzept. Die wesentlichen Bestandteile dieses Konzepts sind:


* Raumkonzept: Mönchsfriedhof zum Gemeindefriedhof öffnen, jedoch weiterhin als eigenen Raum gestalten. Klare Wegebeziehungen unter Berücksichtigung der vorhandenen Raumkanten und praktischen Ansprüche (Belegplan des Friedhofs).
* Materialwahl allgemein: Natürliche bzw. naturbelassene Materialien als durchgehendes Gestaltungselement, dadurch Betonung des schlichten Gesamtcharakters.
* Wegeführung: Fortführung des Hauptwegs vom Gemeindefriedhof und Weg vom Abteipark jeweils mit Kreuz als Zielpunkt. Unterscheidung in zwei Wegehierarchien (breiter Hauptweg, Nebenweg zum Park). Bodenbelag bestehend aus rötlichen Sandsteinplatten auf Betonfundament. Dadurch auch Befahrbarkeit für Friedhofsfahrzeuge und Rollstühle.
* Einfassungen: Entlang der Marienkapelle Drainage aus dunklem Basaltkies und höhengleichen Randsteinen. Mauern zu Gemeindefriedhof und Abteipark ragen ohne Einfassung direkt aus dem Rasen auf.
* Zentrum des Friedhofs: Bereits vorhandenes Kreuz in Schrägaufstellung im Zielpunkt der Wege. Buchpult sowie Stelen für Weihwasser und Ewiges Licht in direkter Zuordnung vor dem Kreuz auf podestartiger Aufweitung.
* Einzelgrabstellen: Markierung durch metallene Buchplatten auf angewinkelten Sockeln aus rötlichem Sandstein. Vorgelagerte Sandsteinplatten als Aufstellmöglichkeit für Blumen und Grablampen.
* Weitere Elemente: Sitzbank in Nische der Marienkapelle mit direkter Blickrichtung zu Kreuz und Buchpult. Verbleib der "Simeon-Stele" aus dem Zyklus der "Sieben Schmerzen Mariens" am Zugang zum Abteipark (übrige 6 im Abteipark). Verbleib der alten Grabkreuze in bzw. vor den Mauern. Neue Tür zum Abteipark. Neue Wasserstelle an der parkseitigen Wand neben der Tür.
* Bepflanzung: Rasen als vorherrschendes Element. Am Eingang vom Gemeindefriedhof offene Geste durch niedrige Beetrosen und Lavendel. Pflanzbeet in Friedhofszentrum mit Dauer- und Saisonbepflanzung. Bepflanzung der Kapellennischen mit Bodendeckern.


Umsetzung des Konzepts


Mit der Umsetzung des Konzepts in den Jahren 2009/2010 waren kompetente und zuverlässige Firmen aus Trier und Umgebung beauftragt. In einem ersten Schritt wurde die Mauer zum Gemeindefriedhof ausgebessert. Mitte August 2009 wurden dann die Bepflanzung, das obere Erdreich und die Randeinfassungen entfernt. Die anschließenden Pflaster- und Planierarbeiten wurden in mehrwöchiger, aufwändiger Arbeit ausgeführt. Nachdem die Sockel für die Buchplatten gesetzt waren, konnte im Oktober die Bepflanzung an ihren Bestimmungsort kommen. Durch den verwendeten Rollrasen und die saubere Ausführung der Pflanzarbeiten konnte der Mönchsfriedhof rechtzeitig zu Allerheiligen in einen vorzeigbaren und begehbaren Zustand versetzt werden. Im Frühjahr 2010 wurden schließlich die Metallarbeiten (Buchplatten und Weihwasserschale) an den vorgesehenen Plätzen montiert.
Derzeit fehlen noch die Stele für das Ewige Licht, die Sitzbank und die neue Tür zum Abteipark. Aber schon jetzt lässt sich zufrieden und dankbar feststellen, dass das Stadium des Provisoriums endgültig der Vergangenheit angehört und unser Mattheiser Mönchsfriedhof ein würdiger und ansprechender Ort des Totengedenkens ist.
Bruder Simeon Friedrich OSB