Pilger

Die Matthiaswallfahrt

Seit mehr als 800 Jahren machen Pilgerinnen und Pilger den Weg zum Apostelheiligtum in Trier. Die Wallfahrt ist erstaunlich lebendig. Die meisten der 180 Wallfahrten haben eine längere oder sehr lange Tradition. Einige Bruderschaften sind schon 200, 500 oder gar 800 Jahre alt bzw jung. Im Auf und Ab der Zeiten haben sie immer wieder jene Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart finden können, die eine Tradition lebendig und attraktiv sein lässt.


Immer mehr Menschen aller Generationen finden darin einen angemessenen Ausdruck ihres Glaubens. Im Gehen miteinander wollen sie ihren eigenen Lebensweg als Glaubensweg erfahren. Viele Pilger berichten davon, dass das gemeinsame Unterwegssein mit Gleichgesinnten für sie ein Erlebnis von Glaubensgemeinschaft ist, das sie nicht missen möchten. Im normalen Alltag wird von gläubiger Weggemeinschaft, von Austausch und Mitteilen wenig spürbar.

Auf einer Wallfahrt aber kommen viele Erfahrensbereiche zusammen. Die Anstrengung, die Mühe und Freude, das gemeinsame Essen, Erholung und Ruhe, Beten und Schweigen verbinden sich in einer Weise miteinander, die zu einem sehr fruchtbaren Austausch im Glauben führt. All das trägt dazu bei, dass die tieferen Schichten des inneren Menschen für die Begegnung im Glauben geöffnet werden.

Wallfahrten sind Gemeinschaftserfahrungen. Sie führen Menschen zusammen und helfen, Isolierungen zu überwinden. Gerade heute erleben Menschen oft schmerzhaft, wie selten der Glaube gemeinsam erlebt werden kann. Das Zusammensein über mehrere Tage erschließt hier neue Erfahrungen, die in den alltäglichen Glauben einwirken. Nicht nur die geschichtlich gewachsenen Bruderschaften, sondern auch die neu entstandenen Gruppen, zeigen starke Zusammengehörigkeit. Gruppen dieser Art bieten eine lebendige Erfahrung von Kirche und sind ein Lebensraum, der auch starken Belastungen standhält.


Das Matthiasgrab: Der Legende folgend, hat Helena, die Mutter Kaiser Konstantins, die Gebeine des Apostels Matthias im 4. Jahrhundert nach Trier gebracht. Sie ruhen jetzt nach der Neugestaltung der Basilika in einem Schrein in der Krypta. Darüber befindet sich die abgebildete gotische Liegefigur des Heiligen.

Die Pilger

Pilger gibt es in allen Altersgruppen – Pilger kommen aus allen Bevölkerungsschichten. Es gibt Jugendwallfahrten, es gibt Schulwallfahrten, es gibt Familienwallfahrten (auch mit kleineren Kindern) und es bilden sich mittlerweile auch Seniorenwallfahrten. Vorherrschend aber ist das breite Feld der generationsübergreifenden Pilgergruppen. In ihnen finden Menschen trotz unterschiedlicher Herkunft und Lebensalters zusammen und spüren nach kurzer Zeit, was sie verbindet und welche Chancen sich auftun, wenn Menschen ihr Herz öffnen und den Austausch wagen. Die Unterschiede geraten in den Hintergrund und das „Du“ wird meist auch nach der Wallfahrt beibehalten..


Die Pilger kommen zum überwiegenden Teil aus den Bistümern Köln, Aachen und Trier. Die meisten kommen aus der Umgebung von Mönchengladbach, Neuss und Krefeld. Andere stammen aus dem Raum Aachen, Jülich, Köln, Bonn und der Eifel. Pfarreien aus der näheren Umgebung von Trier kennen eine Tradition von Tages- oder Nachtwallfahrten. Viele Gruppen gehen den Weg hin und zurück. Die Wallfahrten dauern zwischen vier und neun Tage. Da kommen leicht bis zu 300 Km und mehr zusammen. Jede Wallfahrt hat ihr eigenes Gesicht und ihre eigene Tradition. Das gilt nicht nur für die Bruderschaften, die seit Jahrhunderten den Weg nach Trier gehen.


Hinter alldem verbirgt sich ein enormes Engagement. Damit die Pilger überhaupt den Weg beginnen können, muss vieles vorbereitet werden. Monate lang sind hochmotivierte Leute damit beschäftigt, die geistlichen Akzente der Wallfahrt zu setzen, die sich aus dem biblischen Jahreswort ergeben. Sie überlegen zum Beispiel, welche Gedanken und Anregungen für die Wallfahrt wichtig sein könnten und welche Lieder nicht fehlen sollten. Einige von ihnen haben sich in den „Biblischen Tagen“ in der Abtei schon mit den Fragen befasst und den Austausch mit den „Kollegen“ aus anderen Bruderschaften genutzt. Andere kümmern sich um den nötigen logistischen Fragen. Quartiere müssen besorgt und der Kontakt zu den zahllosen Gastgebern in der Eifel gepflegt werden. Vor allem die Gruppen, sich unterwegs selbst verpflegen, wissen die Mühe zu schätzen, die dabei aufgewandt werden muss.


Seit dem Beginn der Matthiaswallfahrt haben sich die Mönche der Abtei um die Pilger gekümmert. Die Gottesdienste mit den Wallfahrern gehörten ebenso dazu wie deren Betreuung und Bewirtung. Nach der Aufhebung des Klosters in den Jahren zwischen 1803 und 1922 haben die Pfarrer der neu errichteten Pfarrei diese Aufgaben wahrgenommen. Als die Abtei 1922 wieder von Mönchen aus Seckau und Maria-Laach besiedelt wurde, war es für sie selbstverständlich, die Betreuung der Pilger als einen der spezifischen Dienste der Abtei zu gestalten. Einer der Brüder ist als Pilgerpfarrer mit dieser Aufgabe betraut. Dazu zählt zunächst der Kontakt mit den Gruppen, während sie in Trier sind. Hinzu kommen zweimal im Jahr Versammlungen der Verantwortlichen in den fünf Bezirken, ebenso die Leitung der Bruderschaftstage. Im Frühjahr hält er Schulungswochenenden in der Abtei und gibt die Texte für die Wallfahrt heraus.


In Trier hat sich 1987 eine eigene Bruderschaft gebildet, die sich um die Bewirtung der Pilger in den Räumen des Pfarrzentrums kümmert. An die 50 Männer und Frauen engagieren sich in dieser durchaus zeitintensiven und anstrengenden Arbeit, die sie sich zur Ehrensache gemacht haben. Im vergangenen Jahr waren das ca 3500 Bewirtungen. Viele Pilger nutzen auch gerne die Angebote der Gastronomie. Ohnehin müssen die allermeisten in Pensionen und Hotels in Trier und Umgebung übernachten.


Br.Hubert Wachendorf OSB, Pilgerpfarrer

weitere Informationen: www.matthiaswallfahrt.de

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