Die Gründung der Pfarrei

Im Zuge Neuorganisation der Diözese Trier nach 1802 wurden die Bezirke der beiden uralten Pfarreien St. Medard und St. German zur neuen Pfarrei St. Matthias zusammengefasst. Die bisherige Abteikirche wurde zur Pfarrkirche umgewidmet, das bisherige Gasthaus des Klosters zum Pfarrhaus gemacht. Die beiden alten Kirchen wurden in der Folgezeit abgerissen bzw. zum Wohnhaus umgebaut. Hatte der letzte Prior Hubert Becker schon vorher die Auflösung des Klosters in geregelte Bahnen leiten können, galt sein Engagement als erster Pfarrer von St. Matthias (seit 1803) der Weitergabe des alten Erbes und der Konsolidierung der neuen Pfarrei. Sein erster Kaplan und späterer Nachfolger (ab 1809) wurde der tatkräftige Victor Joseph Dewora.

Durch die wachsende Pfarrgemeinde veranlasst, wurde um 1840 eine erste eingreifende Umgestaltung der Kirche vorgenommen. Das Matthiasgrab, das seit dem 12. Jahrhundert immer in der Mitte der Kirche gestanden hatte -wo es sich auch seit 1927 wieder befindet- wurde in den Hochchor verlegt und die Krypta um zwei Joche auf das heutige Maß verkürzt.

Das Erbe des alten Klosters war für die arme Gemeinde von St. Matthias zwar groß und ehrwürdig, aber zugleich - und je länger, je mehr - eine schwere Last. Seit 1840 waren wiederholt Pläne zu durchgreifenden Restaurierungen und zur Umgestaltung der Kirche ausgearbeitet worden, die aber - wohl wegen Geldmangels - niemals zur Ausführung gelangten. Erst Ende des 19. Jahrhunderts sollte sich die Lage bessern.

Im Jahre 1885 wurde Hubert Stein Pfarrer von St. Matthias. In den folgenden Jahren setzte er sich besonders für die Restaurierung und Ausstattung der Kirche ein. Er kannte und schätzte die neuen benediktinischen Gründungen in Beuron und Maredsous, erzählte ganz begeistert davon und hatte wohl von Anfang an den Wunsch, in St. Matthias wieder ein Benediktinerkloster erstehen zu sehen. Für seine Vorstellungen fand er volle Unterstützung bei Bischof Michael Felix Korum (Bischof von Trier 1881-1921).

Bereits Ende der 1880er Jahre bemühten sie sich um ein Wiederbesiedlung durch Mönche der Beuroner Kongregation, doch kam es nicht dazu, weil Zweifel am wirtschaftlichen Unterhalt der Gemeinschaft und an den Möglichkeiten zum Erwerb der alten Klostergebäude bestanden. Auch Bemühungen in den 1890er Jahren brachten nicht den erhofften Erfolg.

Pfarrer Stein konnte sich zwar noch einen anderen großen Wunsch erfüllen, die Aufstellung eines riesigen neugotischen Flügelaltares, in denen spätgotische Reliefs zu Leben, Passion und Verherrlichung Christi eingearbeitet wurden, doch die Benediktiner sah er nicht mehr zurückkehren. Dies blieb seinem früheren Kaplan und Nachfolger Jakob Treitz (in St. Matthias 1910-1922) vorbehalten. Trotz des gleichzeitigen Kriegsgeschehens wurde in den Jahren 1914 bis 1919 die Kirche restauriert und mit einer neugotischen Ausmalung versehen. Zum Abschluss dieser Arbeiten wurde St. Matthias durch Breve vom 20. März 1920 von Papst Benedikt XV. zu einer 'Basilica Minor' erhoben.

Die Wiederbesiedlung der Abtei 1922

Pfarrhaus vor dem Umbau 1922

Eine erneute Anfrage von Seiten des Bistums und der Pfarrei stieß 1920 endlich auf offen Ohren. Da die Abtei Maria Laach (1892/93 wiederbesiedelt) sich zur Neugründung nicht in der Lage sah, leitete Abt Ildefons Herwegen das Angebot nach Seckau weiter. Seckau ist ein altes Kloster in der Steiermark - ein ehemaliges Augustinerchorherrenstift. Es war 1883 von den Beuroner Benediktinern, die durch den Kulturkampf aus ihrer Heimat vertrieben waren, als Studienhaus der Kongregation erworben worden. Als die Benediktiner 1887 nach Beuron zurückkehren konnten, wurde Seckau zu einer selbständigen Abtei erhoben. Seit 1908 leitete Laurentius Zeller (1873-1945) die dortige Gemeinschaft, die Ende der 1910er Jahre aufgrund politischer und wirtschaftlicher Schwierigkeiten einen Standort außerhalb Österreichs suchte. Nach Erwägung unterschiedlicher Möglichkeiten entschieden sich Abt und Konvent für die Besiedlung von St. Matthias.

Da ein Ankauf der alten Klostergebäude zunächst nicht möglich war, ließen sich die Mönche im Pfarrhaus nieder. Dieses wurde durch einen Umbau mit den als Schule genutzten Gebäuden - teilweise noch Reste des alten Nikolaus - Hospitales - zu dem großen Haus erweitert, das noch heute die Nordfront des Freihofes bildet.

Alle rechtlichen Auflagen von kirchlicher und staatlicher Seite konnten erfüllt werden. Diese sahen auch die Übernahme der Seelsorge in der Pfarrei St. Matthias durch die Mönche vor. Bischof Michael Felix Korum sollte die endgültige Besiedlung nicht mehr erleben. Er starb 1921, während die Vorbereitungen für den Einzug der Mönche auf vollen Touren liefen.

Am 22.Oktober 1922 war es dann soweit. Unter großer Beteiligung der Gemeinde und zahlreicher Gäste führte der neue Bischof Franz Rudolf Bornewasser den Konvent feierlich in St. Matthias ein und mit der Terz und einem anschließenden Hochamt wurde das benediktinische Gotteslob an diesem Ort zu neuem Leben erweckt.

Das Haupt des Hl. Matthias, das bis dahin im Dom aufbewahrt worden war, wurde 1927 von dort in einer feierlichen Prozession nach St. Matthias übertragen. Der damalige Nuntius Kardinal Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII., nahm an diesem festlichen Ereignis teil.

Zwar konnten 1931/32 die alten Abteigebäude mit einem Teil des früheren Klosterbesitzes wieder erworben werden, doch begannen die eigentlichen Renovierungsarbeiten erst nach Kriegsende. Abt Laurentius, der schon bald mit anderen Aufgaben im Orden betraut worden war, wurde 1938 zum Präses der brasilianischen Benediktinerkongregation gewählt und verließ St. Matthias, nachdem er noch 1939 als erster Abt des Klosters die Bischofsweihe für das Missionsgebiet am Rio Branco empfangen hatte. Sein Nachfolger im Abtsdienst wurde Basilius Ebel (Abt in St. Matthias bis 1946).

Schon 1938 war es zu Beschlagnahmen und Einquartierungen durch das Militär gekommen. 1941 wurde die Abtei durch die Geheime Staatspolizei aufgehoben und der Besitz beschlagnahmt. Unter dem Protest der Bevölkerung wurde der Konvent in einen Bus geladen und nach Maria Laach gebracht. Die Kriegsjahre waren eine schwere Prüfung für die Gemeinschaft, erst 1945 konnte sich der Konvent wieder sammeln.

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