Beziehung und Einsamkeit

Zum Mönchtum gehört die Suche nach Einsamkeit ebenso wie der Wunsch nach Austausch und Kontakt. Die richtige Spannung von Einsamkeit und Kontakt ist für unser Leben hier in St. Matthias wichtig.

Gäste

Eine gewisse Besonderheit unserer Abtei gegenüber anderen Klöstern liegt vielleicht in der Art, wie wir Gäste aufnehmen. Gerade bei der Aufnahme von Gästen zeigt sich die oben genannte Spannung. Ein Teil unseres großen Hauses ist nur den Mönchen zugänglich. Diese sogenannte Klausur ist der engere Lebensraum unserer Gemeinschaft. Einige Gemeinschaftsräume, den Kreuzgang und den Park benutzen wir mit unseren Gästen gemeinsam. Die Gäste nehmen an unseren Mahlzeiten teil und können beim Gottesdienst bei den Mönchen Platz nehmen. Nach einem ersten Gefühl der Fremdheit empfinden unsere Gäste diese Art der Teilnahme an unserem Leben als wohltuend. Manche nehmen auch die Gelegenheit zur Mitarbeit wahr.
Zu uns kommen sowohl Einzelgäste, als auch Gruppen, die sich mit ihrem Glauben befassen wollen. Viele wollen auch nur einmal ein Kloster kennen lernen. Neben der Aufnahme im Kloster besteht auch für kleinere Gruppen in der Zeit zwischen Ostern und der Pilgerzeit im Herbst eine Unterbringungsmöglichkeit im "Roten Igel". Der "Rote Igel" ist ein Selbstversorgerhaus (mit ganz einfachem Standard) auf dem Gelände der Abtei.

Der Kreuzgang bildet den Kern des Klosters: Er verbindet alle wichtigen Räume miteinander, ist aber auch ein Ort der Stille. Er gehört zur "äußeren" Klausur, die wir mit unseren Gästen und Mitarbeitern nutzen. Die "innere" Klausur (der eigentliche Wohnbereich) ist nur der Gemeinschaft zugänglich ist.

Die Aufnahme von Gästen ist ein wesentliches Element benediktinischen Mönchtums. Es ist eine Weise, den Menschen von der Liebe Gottes zu künden. Aber auch wir erfahren durch unsere Gäste immer wieder Zuwendung und Anregung.

Beziehungen

Ein Mönch lebt zwar ehelos, aber nicht ohne menschliche Beziehungen. Wir bilden vielmehr eine Lebensgemeinschaft von Brüdern, in der wir versuchen, Freude und Leid miteinander zu teilen. Wir sehen einen Auftrag des Evangeliums darin, den anderen Bruder in seinen Fehlern und Schwächen und in seiner Verschiedenheit anzunehmen. Bei dem einen Bruder wird einem das leichter fallen als bei dem anderen. Wir halten eine solche unterschiedliche Nähe der Brüder zueinander für menschlich angemessen, solange keiner aus der Gemeinschaft hinausgedrängt wird. Der Mönch hat aber nicht nur Beziehungen zu seinen Brüdern. Auch Kontakte und Freundschaften zu Menschen außerhalb der Gemeinschaft sind uns wichtig. Sie können sich anregend auswirken für das Leben des Einzelnen wie für das der Gemeinschaft und bewahren uns vor Isolierung. Grenzen sind diesen Beziehungen gesetzt durch die Zurückgezogenheit, in der wir gleichzeitig leben wollen. So werden wir manchen Kontakt nicht so gestalten können, wie wir es im Hinblick auf die Beziehung eigentlich möchten.

Zurückgezogenheit

Das Kloster ist für den Mönch nicht nur ein Ort der Gemeinschaft, sondern auch der Rahmen für Sammlung und Zurückgezogenheit. Wir haben uns bewusst von Ansprüchen gesellschaftlicher Verflechtungen und persönlicher Bindungen distanziert, um uns auf die Anliegen des Evangeliums zu konzentrieren. So schränken wir unsere Reisen auf notwendige Anlässe ein. Neben der jährlichen Erholungszeit sind dies im allgemeinen Aufträge der Gemeinschaft oder berufliche Fortbildung. Ebenso üben wir in der Freizeitgestaltung eine gewisse Zurückhaltung.

Zurückgezogenheit und Sammlung kommen nicht nur unserem inneren Weg zugute, sondern auch dem Umgang miteinander, den Kontakten zu anderen Menschen und der Erfüllung unserer Aufgaben.